Ist der Ineos Grenadier Quartermaster ein guter Overlander für Familien?
- Robin Krumm
- Sep 2, 2025
- 7 min read
Updated: 2 days ago
Dies wird ein etwas längerer, ungeschönter - da unbezahlter - Bericht über alles, was es an diesem Auto (bisher) zu meckern und berichten gibt.
Ein Gejammer "bei dem Preis muss das aber drin sein" - gibt es nicht.
Anfang 2026 gab es ein kleines Update (nach 18k Kilometer) mit neuer Fotogalerie am Ende.
Aber für alle, die nur mein Resümee wissen möchten:
Nein – meiner Meinung nach ist dieses Fahrzeug für Overlander mit Familie in Europa ein Reinfall.
Jetzt etwas ausgeholt und ausführlich begründet:
Wo kommen wir her?
Nun, mein Ranger hat bei 220tkm ein Getriebeproblem entwickelt, welches ziemlich doof in der Behebung war; alle unsere Autos waren aus der Finanzierung raus und ...ich hatte einfach Lust auf was Neues.
Ich habe vor der Wahl gestanden mehrere Autos abzulösen:
Mein asozialen Ranger
Unseren 4x4 Vito
Den Dacia Dokker meiner Frau
Zur Auswahl standen:
Neuer Ranger PHEV
Transit Custom Trail 4x4 L2
Sprinter 4x4 gebraucht
Ineos Grenadier Quartermaster
Warum ist es der Ineos geworden?
"Falsche Freunde" könnte man mit einem Zwinkern sagen: Aussagen wie "Einen Van zum Campen kannst du dir auch mit 60 noch holen" , "nen richtigen Geländewagen kannst du in zehn Jahren nicht mehr kaufen" - solche Freunde braucht man.
Informiert hatte ich mich bei Youtube, Malmedie und Co, Explorer Magazin, Taubenreuther Vergleichstest, usw. usw . usw Leseberichte wie von Overland europe - (https://overland-europe.com/ist-der-quartermaster-ein-guter-overlander/?lang=de ) und viele Weitere.
Und nichts hat mich ausreichend vorbereitet auf das was da auf mich zu kam. Viel zu unkritisch geschrieben... mit meiner Erfahrung jetzt. Ich bin aber ehrlicherweise auch in der Regel ein kritischer Mensch - wird meine Frau bestätigen. :-)
Warum sehe ich das SOOOOO kritisch?
Nun … dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen in dieser ausklappbaren Liste:
Probleme dieses gut gemeinten Autos
Das zu hohe Leergewicht
Als Diesel hat der Quartermaster in der Trailmaster-Ausführung ein Gewicht von 2815 kg – also nur mit dem Fahrer drin. Dann laden wir meine Frau und zwei Kinder ein, und schon bleiben gerade einmal 500 kg Zuladung – wenn die Kinder noch klein sind.
Was nimmt man dann mit? Absetzkabine? Zu schwer, wenn sie für vier Personen gedacht ist. Mein Testobjekt hat fast 600 kg auf die Waage gebracht, d.h. 3,4 To ohne einen Schlüppi eingepackt
Alternative zur Kabine: Dachzelt für 4? Ca. 90 kg, egal ob Softshell oder Hybrid. Hardtop von Bushtech: 70 kg + Querträger: 10 kg. Bleiben noch: 330 kg.

330 kg ist besser - aber immer noch: ohne Solaranlage, Anziehsachen für vier, eine Kühlbox (mit Inhalt), eventuell einen Schubladenauszug, um die Ladefläche einigermaßen komfortabel zu nutzen. Schön, dass alles so massiv gebaut ist – aber wenn wir schon zu viert überladen sind?
Der Wendekreis: 15,6 m … das war für mich bisher nur eine Zahl so ähnlich wie "23 Billionen entgangenes Steueraufkommen". Aber in der Praxis führt der Wendekreis (wohlgemerkt mit Serienbereifung) dazu, dass man auf einer zweispurigen Straße (je Richtung) NICHT in einem Zug drehen kann.
Zum Vergleich: Ein Ford Ranger hat 13 m Wendekreis. Das heißt: Ich könnte noch EIN KOMPLETTES AUTO dahinter parken, bequem die Tür aufmachen – und hätte immer noch nicht den Wendekreis des Quartermaster erreicht.
Ja, man kann den Lenkanschlag etwas pimpen, dann kommt man auf 14 m – aber ob der Lenkanschlag vielleicht einen Sinn hat? Ich habe mittlerweile einen OME Dämpfer eingebaut - danke für nichts. Ja er lenkt sich etwas anders... Placebo-ähnlich. Auch hier viel Werbung "fährt sich dann wie ein normaler PKW" ... blablabla - meiner Meinung nach bewusste Täuschung!
Der Platz im Innenraum: Nachdem wir jetzt wissen, dass man gar nicht viel zuladen DARF, ist es wenigstens konsequent: Es gibt auch kaum Platz.
Handyablage in der Mittelkonsole? Fehlanzeige.
Brillenablagefach? Nein.
USB-Anschlüsse außerhalb des Staufachs in der Mittelkonsole? Nope.
Wir behelfen uns mit Molle-Taschen, Lüftungshalterungen und Stoffabdeckungen fürs Cockpit mit Taschen. Witziger Funfact: Wer meint, in die großen Getränkehalter hinten könnten wenigstens die Kinder was reinpacken … der lacht jetzt: Wenn die Türen geschlossen sind, sind die Halter verdeckt – und man kommt nicht an die Flaschen ran.
Die Software: Angekündigt war: „Alles wird offengelegt für Selberschrauber.“ Fakt ist: Viele Steuergeräte und dann kommt nicht mal jeder Bosch-Dienst an die (Bosch-)Software ran.
Was heißt das? Reifengröße ändern – einfach die Berechnung im Tacho anpassen? Nein. BMW fragen? Die haben keine Möglichkeit. Letzte Lösung: Irgendwelche Zusatzsteuerboxen kaufen, die das Signal verfälschen, damit die Geschwindigkeit korrekt angezeigt wird. Das ist weit hinter dem Stand wie es die VAG Software oder Forscan (sogar kostenlos) ermöglichen.
Konsequenter Weise gilt das auch für Werkstatthandbuch und Reparaturleitfaden.... aber hier hat Ineos nachgebessert - da kann man sich Doku online anschauen, wenn man sich vorher mit der FIN identifiziert hat
Fehler über Fehler: Unser QM begleitet uns mittlerweile 18000 km. Fehler, die wir bisher (wiederholt) hatten:
a) Untersetzung lässt sich nicht einlegen (irgendwas vergessen einzubauen?). Achssperren reichen? Vielleicht – aber ohne Mitteldiffsperre lässt sich keine Achssperre einlegen.
b) Kameramodul-Fehler, ständig, mehrfach täglich. Wie soll da Vertrauen aufkommen an die tolle Fahrunterstützung? Woher weiß ich ob das überhaupt was macht, außer Fehler zu werfen.
c) Geschwindigkeitserkennung total daneben: In der Dämmerung 120 km/h in der Innenstadt, obwohl 30 ist? Klar. Aber wehe, in der Nähe ist mal ein „5 Euro“-Angebot bei Kik: Die rote 5 wird als 5 km/h interpretiert – und ab 6 km/h nervt das Auto ständig und laut mit Klicken.
Eines von beiden, okay – schade, aber hinnehmbar. Beides in Kombination: nervt nur.
d) Quietschen an der Vorderachse bei Langsamfahrt … kann passieren, vermutlich Achsöl vergessen. Kann ja mal passieren.
e) LDW-Modul gestört.
f) EBA gestört.
g) Klimaanlage: vorne 21 Grad, hinten 65 Grad. Zweimal im Urlaub passiert, dass man sich die Finger verbrannt hat – keine Übertreibung. Auch als Erwachsener konnte man die Hand nicht vor den Auslass halten – während wir vorne gefroren haben.
Designfehler beim Offroad nutzen: Wer mal einen Hummer H1 oder H2 von unten gesehen hat, weiß, wie man einen Unterboden aufräumen kann. Warum bei einem Auto wie diesem Kabelbäume und Schläuche UNTER Verteilergetriebe, Tank oder Rahmen laufen … erschließt sich mir nicht.
Fahrverhalten bei Belastung: Der Quartermaster ist ein in die Länge gezogener Station Wagon. Aber es gibt Gründe warum Nutzlast-Pickups hinten immer noch Blattfedern haben: Eine Blattfeder gibt weniger nach und verändert sich weniger negativ im Fahrverhalten als eine Spiralfeder (besonders ohne Führung).
Setzt man die Kabine auf den Quartermaster geht der 16 cm runter. Ohne Lift kit steht er mit 500 kg Zuladung in Anti-Keilform und fährt sich wie ein Doppeldeckerbus und schwankt wie ich nach 5 Maß Bier.
Hier gibt es auch ein kleines Update: Weihnachten 2026 haben wir ein Hardtop montiert , einen Schubladenauszug und ein Dachzelt sowie eine Staubox von Quickpitch auf dem Dach.
Er steht jetzt schön gerade da.
Ja er schwankt immer noch - so wie ein Navara oder eine X Klasse - oder halt ein 130er Defender wenn man sie hinten belastet - das liegt einfach an den Spiralfedern
Sitzkomfort:
Der Recaro und ein Maßanzug sitzt ... aber wenn man manchmal die Beine etwas breiter hat beim Sitzen - drückt die Recaro Seitenwange in den Oberschenkel rein - unangenehm. Wie bei einem Maßanzug auch: Erste Mal reingeschlüpft - mega Komfort aber 1400 km am Stück engt es doch ein.
Der Verbrauch:
120 km/h im holländischen Flachland: 14,6l / 100 km/h.
Gibt es auch was Positives?
Na klar, einiges, ernsthaft gemeint:
Solange die Straße glatt ist und es nur geradeaus geht, zieht der QM souverän – und wie ... auf der Westalpentour sah auch der leere Ranger Raptor hinter mir alt aus... der Ineos säuft dann aber bei 120 km/h unbeladen locker 15 l/100 km im Flachland.
Außerhalb Europas, wo es wirklich auf die Haltbarkeit der Komponenten ankommt, glaube ich, dass die 2,8 t Leergewicht irgendwo herkommen – sprich: Das ein oder andere Teil ist sehr stabil, die Fahrzeugfront ist massiver als beim Hummer, der originale Unterfahrschutz ist doppelt so dick wie beim Ranger.
Wer noch einen alten Klasse-3-Führerschein hat und das Risiko eingehen will, niemals den ADAC zu brauchen, kann den Wagen mit 2,3 t Achslast hinten und 1,7 t vorne direkt auf 4 t zGG auflasten. Das Serien-Fahrwerk wäre damit überfordert, aber wenigstens wäre es legal und mit den Auflastungsfedern aus Australien ließe sich da gegen arbeiten.
Mir sitzt er immer noch wie ein Maßanzug – nicht immer bequem, aber es fühlt sich erstmal sehr gut an.
Wireless Android Auto funktioniert tadellos.
Die kantige Form ermöglicht Stellplätze auf der Motorhaube, Pommestheke.
Die Spielereien... Schalter im Himmel, die extra Hupe für Fahrradfahrer, nicht Sinn-voll aber sympathisch.
Den Fußboden mit dem Gartenschlauch ausspülen zu können... Mit meiner Familie unbezahlbar
Nachdem ich jetzt sowohl alleine auf Westalpen-Tour war kann ich etwas weiter ausholen:
Für Solo Reisende, oder ein Pärchen in den mittleren Jahren, wo die Kinder schon aus dem Haus sind... easy...da kommt man mit Platz und Zuladung hin.
Im direkten Vergleich auf der Assietta Kammstraße oder der ligurischen Grenzkammstraße musste ich vielleicht ein oder zweimal zurücksetzen wo die anderen Pickups in einem "rum" gekommen sind. Wenn man aber als Vergleich einen Dacia Duster oder einen Toyota Land Cruiser der 80er Serie sieht - dann sieht jeder Pickup alt aus.
Dazu - Der Ineos ist ein auffälliger Sympathieträger – man wird gegrüßt, angelächelt, angesprochen. Der Ranger im direkten Vergleich bekommt auch etwas Aufmerksamkeit.. aber eher so :
"Krasse Karre" vs. "wow, tolles Fahrzeug"


Fazit:
Hätte ich den Wagen gekauft wenn ich ihn Probegefahren hätte? NEIN. Auf keinen Fall. Niemals.
Hab ich ihn Probegefahren? Nein.
War das dumm? Vielleicht.
Warum? Na ich wollte ihn kaufen wollen.
Mag ich das Auto trotzdem? Naja... schon irgendwie .. ein bisschen wie der alte Defender... man verzeiht ihm viel - Ist aber trotzdem genervt.
Das kann also alles noch werden, wenn die Probleme behoben sind freue ich mich über 5 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung. Optisch...nunja... wir nähern uns einander an würde ich sagen :-)
Mit Hardtop jetzt - 01.2026 - ist er mir schon fast ans Herz gewachsen.

Jetzt, wo mein Ranger aus der Werkstatt ist werde ich jeden Tag vor der Qual der Wahl stehen... Denn irgendwie weckt der Quartermaster Sympathie.
Vielleicht hilft der Bericht bis hierhin. Die Videos die ich vorher vom Explorer oder anderen Magazinen geschaut und gelesen hatte, hatten mich in jedem Fall nicht ausreichend vorbereitet.
Und auch die Besonderheit des Reisens mit der Familie hat niemand berücksichtigt. Zumindest hab ich nichts dazu gefunden.
Wenn ihr Fragen habt gerne ne Message auf einem der Kanäle schreiben.


























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